…Blasses Blut

Vorweg: Vorsicht! Dieser Roman ist zynisch, geschmacklos und grotesk – und ganz sicher nichts für empfindliche Gemüter. Kaum ein Tabu, das hier nicht gebrochen wird. Wer sich davon beleidigt oder abgestoßen fühlt, möge bitte vom Kauf dieses Buches Abstand nehmen. Für die, die jetzt noch da sind: Willkommen in der absurden Welt des Bestatters Paul Neumann […].

Eigentlich könnte alles so schön sein. Paul Neumann führt ein kleines Bestattungsunternehmen und lebt mit seiner Freundin Tanja zusammen. Aber die Geschäfte laufen schlecht, die Beziehung wirkt leblos, weil Paul eigentlich in Tanjas beste Freundin Wiebke verliebt ist. Also hört Paul den Polizeifunk ab und hofft auf Massenunfälle, die ein paar Euro in die Kasse spülen könnten. Da kommt das unmoralische Angebot eines Kunden, der ein letztes Mal mit seiner verstorbenen Freundin allein sein will, gerade recht. Paul wittert eine lukrative Gechäftsidee und hat auch gleich ein paar Werbeslogans parat:

Tote Ladys klagen nicht!

Tote Ladys quatschen nicht!

Tote Ladys klammern nicht!

Bleibt nur noch das Problem mit Wiebke. Wenn Paul mit Tanja glücklich sein will, muss er Wiebke aus dem Weg schaffen. Folglich beschließt er, sie zu töten. Mit dem Tod kennt er sich schließlich aus. Doch es kommt ganz anders. Plötzlich ist Paul verstrickt in einem Netz aus Lügen und Intrigen: Leichenbordelle, Mord, Erpressungen, eine Organisation von Frauen, die die Weltherrschaft an sich reißen will. Niemand ist das, was er zu sein scheint. Paul sucht Hilfe bei seinem Psychiater Dr. Herbert – und treibt diesen mit seinen Geschichten und Bekenntnissen fast in den Wahnsinn.

Leichenbordelle?! Nein, sowas kann ich nicht lesen! Aufhören ging aber auch nicht. Das ist skurril, grotesk, absurd, bitterböse – aber eben auch sehr gut geschrieben. Der Ich-Erzähler befindet sich im ständigen Dialog – mit sich selbst, dem Leser und den anderen Figuren – und zeigt dabei eindrucksvoll, wie weit unsere Gedanken oft von dem entfernt sind, was wir sagen. Die überraschenden Wendungen halten die Geschichte in Gang. Langeweile kommt da sicher nicht auf.

Kranker Scheiß. Rabenschwarz, aber eben auch unfassbar komisch.

[Boris Maggioni: Blasses Blut. CreateSpace Independent Publishing Platform 2012.]

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