…Eine Frau flieht vor einer Nachricht

Eigentlich wollte ich nur die Onleihe der Stadtbibliothek ausprobieren. Also App installiert, angemeldet und schon ging die Suche nach einem geeigneten Titel los. Das war ziemlich mühsam, da die Suchmöglichkeiten doch recht eingeschränkt sind. In der alphabetischen Auflistung der Bestleiher (Dieses Denglisch finde ich übrigens extrem nervig!) fiel mir dann irgendwann dieser Titel ins Auge. Davon hatte ich schonmal was gehört. Ok, also ebook laden und lesen. Dachte ich. Aber so einfach ist es dann doch nicht. Ich brauche erst noch eine zusätzliche App, mit der sich die Bücher dann tatsächlich lesen lassen. Also die App auch noch installieren. Jetzt aber. Nein, doch nicht. Jetzt brauche ich noch eine AdobeID. Wofür denn eigentlich? *seufz*

Aber dann. Nur schnell die ersten Seiten lesen, um herauszufinden, wie gut oder schlecht es sich auf dem iPad lesen lässt. Nach etwa hundert Seiten habe ich kurz (wirklich nur ganz kurz) darüber nachgedacht, dass ich eigentlich gerade gar keine Zeit habe für ein so dickes Buch. Aufhören ging aber einfach nicht. Also habe ich mich am Wochenende mal „schnell“ durch die 730 Seiten gelesen…

Ich habe gelacht,

[…] die >>Dualität des Kitzlers als Bezeichnung und als Bezeichnetes<< […] (S. 363)

geweint, war total berührt,

Ist es dir kalt da drinnen? In deinem Herzlos? (S. 545)

fasziniert, konnte das Buch nicht aus der Hand legen, habe viel über Israel gelernt, war beeindruckt von den Erzählstrategien. Die ganze Zeit über dachte ich, das Buch kann auf zwei verschiedene Weisen enden: es gelingt Oda, vor der Nachricht zu fliehen, oder eben nicht. Ist ja logisch. Aber dann steht auf der vorletzten Seite plötzlich dieser eine Satz, der alles ändert. Natürlich kann ich ihn jetzt nicht verraten. Aber ich kann feststellen, dass mich leider viel zu selten Bücher so packen und am Ende sogar noch überraschen können. Wahrhaft große Literatur!!!

Und wie ist jetzt das Lesen auf dem iPad? Das ist ok, zeigt aber deutliche Schwächen im Vergleich zu bekannten ebook-Readern wie dem Kindle. Für mich werden ebooks sicher nicht das Buch ersetzen können, aber vielleicht ergänzen. Mir fehlt da die sinnliche Erfahrung. Und gerade bei einem so großartigen Buch möchte ich, dass es in meinem Regal steht, dass ich jederzeit darin blättern oder bestimmte Stellen nochmal nachlesen kann. Vor alem aber möchte ich ein Buch, das mir so sehr am Herzen liegt, an Menschen weiterreichen können, die mir ebenfalls am Herzen liegen… 🙂

[David Grossmann: Eine Frau flieht vor einer Nachricht. Hanser 2009.]

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